„Derzeit stehen wieder die Vorbereitungen für die Adventfeiern sowie die Weihnachtsfeier an. Das Problem ist, das sich kaum Menschen an der Vorbereitung und Gestaltung beteiligen wollen. Es sind immer die gleichen drei oder vier Menschen, die die Feiern für alle vorbereiten und gestalten.
Ich würde mir wünschen, dass mehrerer Menschen die Initiative ergreifen würden und die Feiern dadurch vielseitiger und bunter werden würden.“
Herkömmliche Zugänge und Lösungsvorschläge zu dieser Problemstellung wären:
- Frage alle Kolleg:innen persönlich, ob und wie sie sich beteiligen möchten und erstelle eine Aufgabenliste.
- Erschaffe eine gemeinsame Vision.
- Fülle das Fest mit Inhalt, sodass sich die Menschen verbinden können. Was ist das Wichtige am Advent?
Dies sind Expertenratschläge, die auf einer theoretisch-abstrakten Ebene stimmen.
Doch wie kann man an der konkreten Art des Handelns anschließen? Wie geht man die Problemstellung mit der Inclutrain-Methode an?
- Was tun die Menschen, die sich nicht beteiligen?
Sie bleiben im Morgenkreis still sitzen, als wären sie außerhalb und hätten nichts damit zu tun. - In welchem Beruf/ In welcher Situation ist ‚draußen sitzen bleiben‘ Qualität?
Zuschauer einer Theatervorstellung. - Was tut deiner Zuschauer? Was ist der dahintersteckende Handlungsimpuls?
‚zuschauend Teilnehmen‘ oder ‚zuschauend Applaudieren‘. - Welche Gebärde oder Geste kommt dem Applaudieren gleich? Was fällt dir dazu aus deiner eigenen Erfahrung ein?
Wenn man dem St. Nikolaus oder dem Christkind etwas schenkt. - Welche Ideen kommen dir ausgehend von diesen Überlegungen für das Adventfest? Wie kann man Zuschauer einbinden?
Die Menschen könnten etwas mitbringen, dass sie dann in den Adventkreis legen. Damit wären sie draußen schon beteiligt und könnten auf ihre eigene Art etwas beitragen. Man bleibt draußen und ist auch drinnen.
Notwendigkeit sichtbar machen
Wichtig ist den Menschen nicht nur allgemein näherzubringen: „Ich brauche euch“, sondern darzulegen, wozu man die Menschen konkret braucht. Damit wird unmittelbar deutlich, wann sich jemand auch wieder herausnehmen kann. Das Gegenüber wird also nicht „gefangen (gehalten)“.
Eine gelungene Beteiligung
Jemand anderes berichtet im Trainertreffen von einer Situation, in der das oben beschriebene sichtbar Machen der Notwendigkeit für ihn fruchtbar war und er sich dadurch an der Dreikönigsfeier beteiligte.
Letztlich bekam ich eine halbe Stunde vor meine Abfahrt zur Dreikönigsfeier folgende Nachricht: „Wir sehen ganz vor uns, dass du die Besucher:innen heute willkommen heißt. Du kannst dir sicher etwas zum Thema der Feier einfallen lassen: ‚schenken‘.“ In den 30 Minuten vor meiner Abfahrt konnte ich noch einige Menschen in meinem Umkreis um Ideen bitten. Dann hatte ich, während der Fahrt gut eine Stunde Zeit zum Besinnen. Schließlich hielt ich bei der Feier eine kleine Willkommensrede. Und ich habe es mit Freude gemacht. In der darauffolgenden Aufführung wurde größtenteils bestätigt, was ich erzählt hatte. An einem Punkt jedoch nicht. Da werde ich mich nächstes Jahr an der Regie beteiligen, jedenfalls in diesem Punkt.“
Wenn man mich ohne Aufzeigen der Notwendigkeit gefragt hätte: „Machst du die Eröffnungsrede der Dreikönigsfeier?“, hätte ich sicher geantwortet haben: „Nein, ich habe keine Zeit zum Vorbereiten.“