Wenn man den Handlungsimpuls von jemand entdeckt, hat man oft die Hoffnung: Wenn ich ihm/ihr ermögliche seinen/ihren Handlungsimpuls auszuleben und zu Tage zu bringen, dann kann diese Person sich weiterentwickeln. Dieser Zugang wirkt aber oft beengend. Es wirkt dagegen bestärkend, wenn der Handlungsimpuls der Person in seiner/ihrer Umgebung erscheint. Dieser Person erfährt dann, wie normal es ist so zu handeln, wie sie handelt.
Der Handlungsimpuls erscheint in der Umgebung, wenn die Begleitperson den Handlungsimpuls selbst annimmt oder die Gruppe dazu auffordert, in den Handlungsimpuls einzusteigen.
Den Handlungsimpuls in der Gruppe aufleben lassen
Lilly besucht die zweite Klasse Volksschule. Sie hat Rechtschreibprobleme. Sie schreibt alle Wörter zusammen, kehrt Buchstaben um und macht sogar beim Abschreiben viele Rechtschreibfehler. Oft kann Lilly auch selbst nicht lesen, was sie geschrieben hat. Die Lehrerin hat alles versucht, um ihr das Schreiben beizubringen. Aber nichts hat geholfen. Anstatt zu schreiben, neigt die Schülerin dazu, zu zeichnen.
Die Lehrerin entscheidet dieses Zeichnen zu fördern. Weil sie alle einen Brief an den Heiligen Nikolaus schreiben sollen, bittet sie die Kinder, mit der schönsten Schrift zu schreiben, die sie kennen und einen Schreibstil auszuwählen. Auf der Tafel zeigt sie einige Beispiele: gerade, kursiv, dick, dünn, 3-D. Alle Schüler gehen eifrig an die Arbeit. Lilly zeichnet große, fette Buchstaben. Zeichnend schreibt ganz korrekt und leserlich.
In der nächsten Rechtschreibstunde versucht die Lehrerin, diese Erfahrung zu vertiefen – jetzt mit einem Diktat. Zu jedem Wort sagt sie, mit welcher Schriftart es geschrieben werden soll. Alle Kinder sind voll konzentriert bei der Arbeit. Sie sind neugierig, mit welcher Schriftart sie das nächste Wort schreiben können. Die Kinder sind während dieses Diktats viel enthusiastischer als sonst. Jeder macht weit weniger Fehler als normal. Am nächsten Tag bitten die Kinder wieder um ein solches Diktat. Die Lehrerin hat so etwas noch nie erlebt.
Inklusion findet statt, wenn Normalität aus einer gemeinsamen Aktivität entsteht und jede einzelne Person aus der eigenen Qualität heraus teilnehmen und etwas beitragen kann. Dies ist etwas anderes, als einer anderen Person zu helfen. Die Bemühungen Menschen mit Unterstützungsbedarf zu helfen, halten oft ein Machtgefälle aufrecht, sodass man an der Schwelle zur Inklusion stehen bleibt.