Man kann den Handlungsimpuls nicht nur mit Worten, sondern auch zeichnerisch oder musikalisch zum Ausdruck bringen. Dies eröffnet einen neuen, non-verbalen Zugang, um miteinander über den Handlungsimpuls zu kommunizieren.
Um den Handlungsimpuls musikalisch darzustellen, braucht man natürlich Musikinstrumente. Am besten eignen sich Instrumente, auf denen man einfach musizieren kann, ohne jahrelange Übung zu benötigen – beispielsweise eine Leier oder Percussion Instrumente, wie Xylophon, Trommel und Tamburin. Nun kann eine Person zu spielen beginnen und eine andere Person steigt darin ein. Ein Raum des freien Improvisierens entsteht, in dem auch andere Teilnehmende einsteigen können. Wichtig dabei ist das Wahrnehmen und Einfühlen in die Musik. Nur so kann man den Handlungsimpuls der anderen Personen aufspüren und daran anschließen. Nachfolgend ein Beispiel, wie die Musik-Übung vonstattengehen kann.
Die Musik-Übung
Wir sitzen in einer Gruppe von neun Personen an einem Tisch, auf dem verschiedene Musikinstrumente platziert sind. Reihum sucht sich jeder ein Instrument aus und spielt darauf. So nehme auch ich ein Instrument und mache vor, was man so alles damit machen kann. Die anderen nehmen wahr wie ich spiele und versuchen dann meinen Handlungsimpuls in Form von zwei Verben zu benennen. Dann spiele ich nochmals und ein anderer Teilnehmer versucht auf meine Art mitzumachen, also meine Handlungsimpuls zu verstärken.
Wir wiederholen die Übung mit allen Teilnehmer:innen. Das Annehmen der Handlungsimpulse der anderen nimmt dabei ganz individuelle Formen an. Vivian sucht sich zum Musizieren eine Trommel aus. Er beginnt zu spielen, indem er ganz regelmäßig auf die Trommel schlägt. Ein Schlag folgt auf den anderen und am Ende setzt er einen lauten Abschlussschlag. Wir benennen seinen Handlungsimpuls als ‚taktend Rhythmisieren‘, mit dem Berufsbild des Musikers oder Dirigenten.
Im nächsten Schritt nimmt Franziska auch ein Instrument zur Hand und schließt bei Vivians Handlungsimpuls an, indem sie mitmacht in dem ‚taktend Rhythmisieren‘. Danach meldet sich Miriam, die auf eine andere Art Vivians ‚taktendem Rhythmisieren‘ annimmt. Sie spielt eine ruhige Melodie zu dem gegebenen Rhythmus.
Vivian bleibt bis zum Schluss unverändert bei seiner Art von ‚taktendem Rhythmisieren‘ und setzt am Ende einen lauten Abschlussschlag.
Anschließend reflektiere ich: „Es war spannend zu erleben, dass in der Art des Musizierens der Handlungsimpuls sichtbar wird – so, wie er auch in anderen Handlungen zutage tritt. Es ist hilfreich vorzumachen, wie man auf den Instrumenten spielen kann. Die Scheu vor dem freien Musizieren wird damit durchbrochen.“
Neue Formen des Ausdrucks und der Kommunikation
Im Musizieren wird eine andere Form des Ausdruckes und der Kommunikation möglich. Beim Anschließen trifft Musikalisches auf Musikalisches. So begegnet beispielsweise ein bestimmter Rhythmus einer bestimmten Melodie – ohne, dass eine Absprache vorab notwendig ist. Die verbale Kommunikation wird in diesen Momenten obsolet. Das Sprechen steht den Kommunizierenden nicht im Wege. Stattdessen spürt der Anschließende hinein und fragt sich: „Was braucht das Gegebene? Wie kann ich etwas dazu beitragen? Wie kann ich anschließen? Was ist das Besondere an dem, was der Spielende gibt?
Wenn der Anschließende diese Wahrnehmungsfähigkeit nützt und sein Eigenes dazugibt, dann berühren und verbinden sich zwei Handlungsimpulse.
Wenn mehrere Menschen mit diesem Einfühlungsvermögen gemeinsam musizieren, entsteht ein Orchester, eine Symphonie lauter aneinander anschließenden Individualitäten. Wenn eine andere Individualität Startpunkt der Musik ist, erklingt eine andere Symphonie.