Die Hofgemeinschaft Weide-Hardebek GmbH ist eine sozialtherapeutische gemeinnützige Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Auf den drei Höfen leben und arbeiten rund 100 Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf in den Bereichen biologisch-dynamischer Gemüsebau und Landwirtschaft sowie Tierzucht, Bäckerei, Hauswirtschaft, Bauhandwerk, Vermarktung und Verkauf.
Inclutrain auf Weide-Hardebek
Die Hofgemeinschaft Weide-Hardebek beteiligt sich seit Beginn des Inclutrain-Projekts im Jahr 2017 federführend an der inhaltlichen Ausarbeitung neuer, personzentrierter Formen der beruflichen Bildung. Im Rahmen des Projekts wurden die neu entwickelten Methoden und Ansätze von Weide-Hardebek mehrfach praktisch erprobt, beispielsweise bei internationalen Trainingsaktivitäten.
Aktivitäten 2023 – 2026
Im Projekt Inclutrain extends (2023 – 2026) verfolgte Weide-Hardebek das Ziel, die Methoden-Kenntnisse der Mitarbeiter:innen und Klient:innen zu vertiefen und die neuen Ansätze in der Organisation zu verankern. Weide-Hardebek nahm an fünf Trainingsaktivitäten in Österreich, Deutschland, Norwegen und den Niederlanden teil. In Summe waren 18 Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf von Weide-Hardebek einmal oder mehrmals bei Trainingsaktivitäten dabei. Auch an Verfahrenskreistreffen beteiligten sich Mitarbeiter der Organisation, um ihr Methodenwissen sowie ihre praktischen Fähigkeiten zu vertiefen und ihre Kenntnisse auch an Kolleg:innen vermitteln zu können.
Zusammenarbeit von Mitarbeiter:innen und Klient:innen
Mitarbeiter:innen, die mit den Inclutrain-Methoden arbeiten, berichten von einer Veränderung ihrer Haltung in der Zusammenarbeit mit Klient:innen. Statt den Fokus in schwierigen Situationen auf Defizite zu richten, ist nun ein Blick etabliert worden, der die individuellen Fähigkeiten und Qualitäten in den Vordergrund stellt. Dies hat dazu geführt, dass Konfliktsituationen verstärkt so gehandhabt werden, dass nicht sofort Lösungen aufgedrängt werden, sondern zunächst ein Schritt zurück gemacht wird, um sich der Situation ruhig gewahr zu werden. Die Mitarbeiter:innen beschreiben dies als positive persönliche Weiterentwicklung.
In der praktischen Umsetzung bedeutet dies, dass Mitarbeitende vermehrt in der Lage sind, sich zurückzunehmen, abzuwarten und wahrzunehmen, was die Klient:innen in einem Moment tatsächlich brauchen. Diese Herangehensweise stärkt eine respektvolle und individuelle Betreuung und Begleitung.
Austauschplattformen
Es wurde festgestellt, dass insbesondere Klient:innen die Moodle-Plattform gerne nutzen, um über das Inclutrain-Projekt informiert zu bleiben und die eigenen Erfahrungen mit anderen Teilnehmer:innen zu teilen. Mitarbeiter:innen nutzen die Plattform hingegen selten. Moodle-Beiträge zu verfassen wird von ihnen eher als Zusatzaufwand zur sonstigen Dokumentationsarbeit wahrgenommen, der in der regulären Arbeitszeit nicht geleistet werden kann.
Institutionellen Implementierung
Trotz der positiven Erfahrungen auf individueller Ebene zeigt sich, dass die Etablierung der neuen Methoden auf institutioneller Ebene noch Herausforderungen mit sich bringt. Einer der Mitarbeitenden merkt an, dass es schwierig ist, die neuen Methoden in der gesamten Organisation zu implementieren, besonders in seiner spezifischen Funktion als Bäcker. Bislang wird die Entwicklung vor allem durch Einzelpersonen im Unternehmen getragen und nicht als formalisierter Bestandteil der gesamten Organisation betrachtet. Es zeigt sich, nur wenn die Leitungsebene die Implementierung der Ansätze aktiv vorantreibt, ist eine Integration der Methoden in der gesamten Organisation möglich. Langfristig soll der Bildungsverantwortliche von Weide-Hardebek die Methoden im Unternehmen weitertragen. Er hat sich im Laufe des Inclutrain-Projekts Methodenwissen angeeignet. Es wird angenommen, dass die Methoden durch ihn in der gesamten Organisation stärker verankert werden können.
Ein Schritt in Richtung institutionelle Implementierung wäre die Einbettung der Portfolios in die Entwicklungsberichte. Dadurch wären alle Mitarbeiter:innen aufgefordert, Portfolios zu verfassen, die die Qualitäten der Klient:innen beschreiben und Betreuungsansätze zu entwickeln, die auf den Handlungsimpulsen der Menschen basieren.
Implementierung in die Famit-Ausbildung
Famit ist eine sozialtherapeutische Zusatzqualifikation zur Fachkraft für Milieubildung und Teilhabe, die Mitarbeiter:innen von Lebens- und Arbeitsgemeinschaften berufsbegleitend absolvieren können. Die Fortbildung wird von dem zertifizierten Bildungsträger Weide-Hardebek angeboten. Ein wichtiger Aspekt der langfristigen Implementierung der Methoden in die Organisation Weide-Hardebek ist die Integration eines Inclutrain-Ausbildungsmoduls in die Famit-Ausbildung. Im Rahmen des Inclutrain-Projekts (2023 – 2026) wurden zwei Ausbildungsmodule im Rahmen von Famit auf Weide-Hardebek durchgeführt und anschließend evaluiert.
Fazit und Ausblick
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neuen Ansätze und Methoden in der Arbeit mit den Klient:innen bereits positive Veränderungen bewirken. Die Mitarbeitenden haben eine neue Perspektive im Umgang mit den Klient:innen entwickelt, die zu einer personenzentrierten Unterstützung im Arbeits- und Lebensalltag führt. Dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen bei der institutionellen Etablierung. Solange die positiven Ergebnisse in der Arbeit mit den Klient:innen jedoch weiterhin sichtbar bleiben, ist zu erwarten, dass die Methoden auch langfristig fester Bestandteil der Organisation werden.