Die Grundlage der Inclutrain Methoden ist das einlebende Wahrnehmen. Dabei versetzt man sich in die andere Person hinein, darin wie er oder sie handelt. Dabei begegnet der eigene Wille dem Willen des anderen. Das gelingt am einfachsten, wenn man eine Tätigkeit gemeinsam durchführt und den anderen dabei imitiert. Jede beliebige Tätigkeit kann dafür herangezogen werden: Kartoffel schälen, Boden wischen, Unkraut jäten, eine Zeile schreiben, hintereinander hergehen, … Das Imitieren mag im ersten Moment etwas befremdlich sein. Vielleicht dauert es auch etwas, bis man von sich selbst loskommt und sich voll und ganz auf den anderen einlassen kann – ohne das Handeln des anderen als gut oder schlecht zu bewerten. Das ist wichtig, denn das einlebende Wahrnehmen gelingt nur aus einer positiven Grundhaltung heraus: „Interessant, so kann man das auch tun.“ Dann verbindet man sich mit einer Person und ihrer Art zu Handeln und kann diese Verbindung noch weiter vertiefen.
In der Weites des Blicks den Horizont erkennen
Ich erinnere mich gut an meine ersten Versuche mit dem einlebenden Wahrnehmen. Gemeinsam mit Sonja sollte ich von den frisch geernteten roten Rüben die Blätter abdrehen. Ich saß ihr gegenüber und begann konzentriert den Arbeitsauftrag nachzugehen, mein Fokus lag auf den roten Rüben, die vor mir in einer Kiste lagen. Mein Blick war auf die Kiste gerichtet und wich kaum davon ab. Meine Hände arbeiteten flink dahin. Dann erinnerte ich mich, dass die Aufgabe ja eigentlich darin bestand, Sonja zu imitieren. Also löste ich mich schwermütig von meinem Arbeitsfokus und beobachtete Sonja. Es war herausfordernd so zu arbeiten wie sie und nicht meinem eigenen Impuls zu folgen. Sie hielt die roten Rüben ganz anders, nutzte eine andere Technik, um die Blätter zu entfernen. Es fühlte sich fremd an, sie nachzuahmen. Die größte Herausforderung war es, ihre Art die Umwelt zu beobachten zu imitieren. Ihr Blick schweifte immer wieder über die umliegende Landschaft bis in den Himmel hinauf, während ihre Hände weiterarbeiteten. Es widerstrebte mir von der Arbeit aufzublicken und meinen Blick in die Weite davongleiten zu lassen. Doch als ich es tat, sah ich was sie sah. Den wolkenbehangenen Himmel, die umliegenden Wälder und ein paar Vögel, die über den Himmel zogen. Ich war beeindruckt, welche Weite sich in mir auftat. Vor allem aber hatte ich das erste Mal das Gefühl, mich in Sonja hineinversetzt zu haben. In der Weite meines Blicks, war ich ganz bei ihr. Ich beschreibe das Erlebte mit den Worten ‚weitend Träumen‘ – Sonjas Handlungsimpuls.
Ein neuer Kosmos
Ich war davon ausgegangen, dass das Imitieren eine einfache Aufgabe sei. Doch es stellte sich als durchaus herausfordernd heraus. Doch hat man den Schritt zum einlebenden Wahrnehmen einmal geschafft, tut sich ein neuer Kosmos auf. Es ist eine Inspirationsquelle, um die Zusammenarbeit mit Menschen mit Unterstützungsbedarf personzentriert zu gestalten. Eine Grundlage, um Lernräume inklusiv gestalten zu können.