Wenn man mit jemandem arbeitet, dessen Verhalten man als störend oder problematisch empfindet, ist es eine Gewohnheit sich in seinem stillen Kämmerlein Gedanken darüber zu machen und eine Lösung zu entwickeln, die man anschließend ausprobiert. Ausgehend vom Ausgedachten entwickelt man also neue Erfahrungen. Und wenn die ausgedachte Lösung nicht gelingt, fängt man wieder von vorne an.
Erfahrendes Lernen
Beim erfahrenden Lernen geht man gleich von Beginn anders an die Sache heran. Das Störende wird nicht als etwas verstanden, das weggeschafft werden soll. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass auch dem Störenden ein positiver Impuls innewohnt. Dieser soll sinnig gemacht werden. Dafür sucht man in der Welt um sich herum, wo dieses Verhalten positiv in Erscheinung tritt. Zum Beispiel, indem man fragt: „In welchem Beruf ist dieses Verhalten Qualität?“ Irgendwo ist es wichtig, dass so gehandelt wird. Man kann das auch aus der eigenen Erfahrung entnehmen und fragen: „In welcher Situation habe ich selbst so gehandelt? Was wollte ich dort?“ Es ist ratsam Situationen außerhalb des eigenen Arbeitsfelds zu nehmen.
Man kann sich gut von folgendem Beispiel inspirieren lassen:
Wenn jemand Mühe hat zwei Wochen wegzufahren, ist es naheliegend eigene Erfahrungen mit dem Verreisen aufzusuchen. Wenn man eine passende Erfahrung gefunden hat, sollte man jedoch darauf achten nicht zu meinen: „Ich habe jetzt die eine Lösung für dich.“ Dann nimmt man die eigene Erfahrung als fertiges Rezept, was der andere nur brav zu befolgen braucht.
Im Beitrag „Victoria und das Reisetagebuch“ wurde ich von Victorias Handlungsimpuls inspiriert: ‚umfassend Festhalten‘. Da entdeckte ich neu: „Bei einem Souvenirkauf habe ich auch versucht ‚etwas zu umfassen und zugleich festzuhalten‘. Das Souvenir sollte ein Bildnis für mein Reiseerlebnis sein, das ich mit nach Hause nehmen konnte.
Ich überlegte: „Was gibt es noch, was in diese Richtung geht und ‚normal‘ ist?“ Da kommt mir der Einfall: ein Tagebuch. Aber nicht einfach ein Tagebuch nur für mich, sondern ein Tagebuch das ich gerne zusammen mit anderen anschaue. Indem ich der Begleitperson von Victoria diesen Vorschlag unterbreite, handle ich ‚umfassend Festhaltend‘ und schaffe so eine Umgebung, in der Victoria sich wiedererkennt und dann wie selbstverständlich mit mir mitmacht.
Die Ideen werden also in der Welt abgelesen, indem Tätigkeiten aufgesucht werden und die dazu gehörende Verben aktiv gedacht werden. Dann entwickelt man selbst neue Ideen, die vielleicht kein anderer zuvor so gedacht hat.