In der Zusammenarbeit bekommt man immer wieder die Antwort: „Ich habe keine Zeit.“ Auch hinter dieser Antwort liegt ein positiver Antrieb. Methodisch nähert man sich so einer Fragestellung genauso wie dem unverstandenen Verhalten einer Person.
Es wird eine eigene Erfahrung aufgesucht: Wo hatte ich eine positive Erfahrung damit ‚keine Zeit zu haben‘? Was wollte ich in dem Moment?
„Die Türklinke meines Hühnerstalltors funktioniert nicht einwandfrei. Ich hätte sie eigentlich reparieren sollen. Aber da ich einen Trick entwickelt hatte damit umzugehen, gab es keine Notwendigkeit sie zu reparieren. So vergingen zwei Jahre, in denen ich mit dem defekten Tor lebte. Doch dann wollte ich zwei Wochen auf Urlaub fahren und bat meinen Nachbar in der Zwischenzeit die Hühner zu versorgen. Aber die nicht-funktionierende Türklinke konnte ich ihm nicht zumuten. Also nahm ich mein Werkzeug zur Hand und reparierte die Türklinke in wenigen Minuten.“
Es wird sichtbar, dass es wichtig ist die Notwendigkeit sichtbar zu machen, um ins Tun zu kommen. Hier ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie die Sichtbarmachung der Notwendigkeit im gemeinsamen Arbeitsalltag wirkt.
„Ich schreibe einem Kollegen ein kurzes Mail: „Wir haben morgen Abend ein Zoom-Meeting mit einem interessierten Teilnehmer. Du hast praktische Erfahrung in dem Bereich. Ich brauche dich beim Meeting.“ Innerhalb von 10 Minuten bekam ich auf dieses Mail eine positive Zusage. Früher war es meine Gewohnheit zu fragen: „Willst du mitmachen?“ oder „Es wäre doch schön, wenn du dabei bist.“ Oft bekam ich dann die Antwort: „Ja, ich würde gerne mitmachen, aber ich habe an dem Abend schon zwei andere Verabredungen. Ich kann also leider nicht dabei sein.“
In diesem Beispiel nehme ich den Handlungsimpuls ‚keine Zeit zu haben‘ an. Ich tue dies, indem ich zum Ausdruck bringe, wieso ich diesen Menschen beim Meeting brauche (= Du hast praktische Erfahrung in dem Bereich). Dann formuliere ich, wie ich meine Verbindung mit dieser Person in der Situation erlebe (= Ich brauche dich beim Meeting.). Das ist eine Direktheit, die ich nicht gewohnt bin, aber die es ermöglicht ganz anderes mit der Person in Beziehung zu treten und die Notwendigkeit in den Fokus stellt. Es macht mir selbst auch gleich Spaß.
Selbständigkeit geht zusammen mit einem Erleben von Notwendigkeit.
Neben dem Aufsuchen der Situation in der eigenen Erfahrung, kann man sich bei solchen Fragestellungen auch überlegen: In welchem Beruf ist ‚keine Zeit zu haben‘ eine Qualität? Das hilft dabei, einen positiven Zugang zur Situation zu finden.
Die folgenden Ideen kamen mir: Börsenmakler, Renner, Simultan Dolmetscher. Als Handlungsimpuls kam: ‚punktierend Entscheiden‘.
Wenn man in dieser Weise mit organisatorischen Fragestellungen arbeitet, erkennt man auch den Willen der, unabhängig voneinander, in mehreren Menschen, unabhängig voneinander, lebt und der in organisatorischen Problemstellungen zu Tage kommt.