Einen Beispiel.
Marianne nimmt Martijns Handlungsimpuls „übertreibend darstellen“ an.
Ich bin Arbeitsbegleiterin auf Urtica De Vijfsprong, einem Sozialhof in Vorden, in den Niederlanden. Kürzlich lief über das Gelände des Hofs und traf auf den Bewohner Martijn, der gerade eine Katze streichelte: „Liebe Katze! Komm her, liebe Katze. Ja Katze, komm! Du brauchst keine Angst zu haben. Komm her. Ich bleib bei dir.“ Als ich ihn beobachtete, erkannte ich sogleich seinen Handlungsimpuls wieder: „übertreibend darstellen“. Man hat bei ihm das Gefühl, dass er nicht nur mit der Katze spricht, sondern eine ganze Inszenierung für ein Publikum macht. In dem Moment war ich, die gerade vorbeiging, das Publikum. So macht er das immer! Er macht ein Schauspiel aus dem was er tut, und schaut das Publikum an.
Viele Menschen irritiert sein Verhalten, weshalb sie ihm mit Ablehnung begegnen. Wie gesagt, so verhält er sich immer. Es ist sein individueller Handlungsimpuls. Kann ich seine Art des Handelns annehmen, statt abweisen?
Wir beginnen jeden Tag mit einem Morgenkreis, an dem etwa 20-30 Menschen teilnehmen. Martijn hilft mir oft beim Verteilen der Notenblätter der Lieder, die wir zusammen singen. Ich will versuchen in dieser Situation seinen Handlungsimpuls ‚übertreibend darstellen‘ anzunehmen.
Ich rufe ihn laut und winken mit den Blättern in der Luft: „Martijn hallo, ich brauche deine Hilfe mit den Notenblättern!“ Sogleich kommt er angetanzt. Ich verbeuge mich tief vor ihm: „Herzlichen Dank!“ Er antwortet mit einer genauso tiefen Verbeugung. Ich mache ein Schauspiel aus dem Verteilen der Blätter. Martijn macht mit.
Für mich gibt es vier Entdeckungen:
- Ich habe mich im ‚übertreibend Darstellen‘ geübt. Das ist für mich gar nicht so einfach.
- Aber es hat mir Spaß gemacht.
- Es hat auch Martijn Freude bereitet ins gemeinsame Schauspiel einzusteigen.
- Die Menschen im Morgenkreis, die meistens noch halbschlafend dastehen, miteinander reden und nicht richtig auf die Noten schauen, sind alle aufgewacht und waren voll dabei. Sie hatten auch Spaß am Geschehen.
Von Marianne Hogeman