Als Inclutrain Trainer gab ich dem Arbeitsanleiter Rainer folgenden Tipp zum Anschließen an Max‘ Handlungsimpuls ‚anschauend Sichern‘, als diese gemeinsam Holz stapelten: „Wenn du Holzscheite stapelst, dann sage laut, was du denkst, während du es tust. Sprich frei im Raum, nicht zu Max!“ Rainer ging auf meinen Vorschlag ein, auch wenn es ihm sichtlich fremd vorkam: „Nicht mit Max sprechen, sondern einfach so vor mir her reden?“ (Mehr dazu gibt’s im vorangehenden Fenster „Anleiten zum Annehmen I“.)
Von außen sahen meine Interventionen so aus, als wüsste ich schon alles. Als wäre mir von Beginn an vollkommen klar, wie ich Rainer dabei unterstützen könnte an Max anzuschließen. Es war aber auch für mich selbst eine überraschende Erfahrung. Ich wusste vorher nicht, dass ich Rainer so anleiten würde. Es war für mich eine gelungene unerwartete Handlung. Eine Handlung, bei der ich intuitiv den Handlungsimpuls des anderen, in diesem Falle Rainers, annahm.
Einige Wochen später war ich in einer Intervisionsgruppe mit Kolleg:innen. Dort erarbeiteten wir, wie ich bei Rainer angeschlossen hatte. Zuerst charakterisierten die Kolleg:innen mein Handeln und dann das Handeln Rainers:
Charakterisierung meines Handelns durch die Intervisionsgruppe | Charakterisierung Rainers Handelns durch die Intervisionsgruppe |
1. Du erzähltest Rainer, was in dir vorging, als du neulich selbst Holz gestapelt hast. 2. Verben: ‚erzählend Denken‘ 3. Beruf: Druide oder Priester | 1. Dein Urteil über Rainers Handlungsimpuls ist: „Er gibt den Auftrag und schaut weiter zu.“ 2. Verben: ‚auftragend Zuschauen‘. 3. Beruf: König oder Kriegsherrn |
Durch mein Handeln ‚erzählend Denken‘ beteiligte ich mich an Rainers ‚auftragend Zuschauen‘ und verstärkte es. Ich habe damit bei Rainer angeschlossen. Rainers ‚auftragend Zurücktreten‘ konnte dadurch ganz anders in Erscheinung treten: Er sagt, was er denkt, aber spricht nicht direkt mit Max. Rainer gibt gleichsam laut die Anweisung, wie das Holz abgelegt werden soll und demonstriert Max das ‚anschauend Sichern‘ ohne direkt mit ihm ins Gespräch zu gehen.
Dies ist die Beschreibung dessen, was ich intuitiv getan habe. Wenn ich es als eine Methodik des erfahrenden Lernens beschreibe, dann sehe ich das ich Folgendes tat:
Ich suchte meine eigene Erfahrung mit ‚anschauend Sichern‘ beim Holzstapeln auf: Wenn ich Holzscheite staple, schaue ich mir die Holzscheite an und überlege, wie ich sie sicher stapeln kann – ohne diesen Prozess natürlich auszusprechen. Ich erkannte, dass ich beim Holzstapeln ‚anschauend Sichernd‘ vorgehe, so wie Max im Allgemeinen handelt. Aufbauend auf diesen Feststellungen habe ich Rainer vorgeschlagen seine ‚Stapel-Gedanken‘ laut auszusprechen, sodass Max daran teilhaben kann. Ich schlug ihm also basierend auf meiner eigenen Erfahrung vor, laut zu denken, ohne mit Max direkt ins Gespräch zu gehen.
Was einem aus der eigenen Erfahrung in den Sinn kommt, ist ein intuitiver Prozess. Es ist etwas, was von Innen auf die äußere Gegebenheit, oder besser gesagt Notwendigkeit, antwortet. Es ermöglicht uns, neue Formen den Lernraum zu gestalten.